Gesellschaftliche globale Spannungen im Lichte der Medien wirken längst auch in therapeutische Gruppen hinein. Polarisierung, Verunsicherung, Aggression und Destruktivität zeigen sich nicht nur individuell, sondern auch im Gruppengeschehen. Gruppenleiter:innen stehen damit vor der Herausforderung, äußere Konflikte, innere Spannungen und widersprüchliche Haltungen aufzunehmen, zu halten und produktiv zu bearbeiten.
Der Fachtag fragt, was Gruppenleitung in schwierigen Zeiten konkret bedeutet: Wie kommt „die Welt“ in die Gruppe? Wie verändern die Verhältnisse im Außen die gruppendynamischen Prozesse? Kann Destruktivität auch jenseits von Störung als Ausdruck, Signal und möglicher Startpunkt für Entwicklung verstanden werden?
Zum Auftakt zeigt Prof. Dr. Ruthard Stachowske in seinem Vortrag „Psychotherapie 2026 – ein (noch) sicherer Ort?“ welche Rückwirkungen politische Konflikte auf die Psychotherapie haben. Lilli Katharina Kalmbach und Florian Schluckebier stellen in „Wenn Politik in die Gruppe kommt“ Forschungsergebnisse vor, wie politische Inhalte psychodynamische Gruppenprozesse prägen. Dr. med. Hanna Göhler zeigt mit „Die Löwin von Kleinmachnow“ eindrücklich, wie Angst, Bedrohungserleben und Destruktivität sich im klinischen Alltag inszenieren und bearbeitet werden können. Annekathrin Eppenstein, die u. a. Kinder und Jugendliche im Blick hat, geht entlang des Rilke-Zitats „Die Fragen selber lieb haben …“ einer Grundhaltung nach, mit der Gruppenleiter:innen Begegnungsräume schaffen, destruktive Abwehr überwinden, das Haltende im Haltlosen aufspüren und das Fremde integrierbar machen.
Der Fachtag lädt dazu ein, Destruktivität mit klarer Haltung und gruppentherapeutischer Kompetenz zu begegnen und Handlungsspielräume von Gruppenleiter:innen zu erweitern – zwischen Pluralismus und Dogmatismus, zwischen Selbstoffenbarung und professioneller Zurückhaltung, zwischen Technik und Beziehungsgestaltung. Der Fachtag eröffnet Raum für Austausch, erlebendes Verstehen und die Diskussion der Frage, wie Gruppenleitung in schwierigen Zeiten gelingen kann.
Wir freuen uns auf einen anregenden Fachtag und die Begegnung mit Ihnen in Berlin.
Die Tagungsgruppe