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umbrüchentwicklungen – zeit der gruppenanalyse

5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gruppenanalyse und Gruppenpsychotherapie D3G am 10. bis 12. Juni 2016 in Berlin

 

Bericht eines Teilnehmers

 

Diese 5. D3G-Tagung suchte in ihrem Aufbau Antworten in zwiefältiger Hinsicht, nämlich im äusseren, soziopolitischen und im inneren, organisationsbezogenen Bereich. Natürlich war die Verwobenheit  der reflexiven Prozesse ungleich komplexer als hier dargestellt.

 

Der Tagungsrahmen bot einerseits in Vorträgen und Arbeitsgruppen Raum, sich  mit den politisch und gesellschaftlich dringenden Fragen wie Flucht ,Migration und demographischen Veränderungen auseinander zu setzen – und dies konkret mit Nachdenken über die Identitätsbildung und Wirkmöglichkeiten bei Flüchtenden wie auch Eingessenen als „betroffenen Handelnden“. Andrerseits arbeitete die anwesende Gesamtgruppe konsequent weiter am Profil  und Selbstverständnis der Gesellschaft D3G und – ebenso konkret -  an der Auseinandersetzung über und Integration von unterschiedlichen Auffassungen über gute gruppenanalytische respektive gruppentherapeutische Qualität.

 

Äussere und innere Themen waren so von den Gestaltern der Tagung geschickt miteinander verflochten worden. Zwischen anregenden Vorträgen, der Grossgruppe, den Arbeitsgruppen, der Mitgliederversammlung wie auch vielen Einzelkontakten in den Pausen fanden diese Themen wechselwirkend auf Fantasie- wie auch Handlungsebene Raum für ihre Entfaltung. Betrachtungen über die Auswirkungen globaler Veränderungen auf die Psyche der Individuen wechselten sich ab mit solchen über die dynamische Entwicklung  des heutigen gruppenanalytischen Arbeitsverständnisses. Auf die Inhalte der einzelnen Vorträge von Sylvia Hutchinson (London), Ulrich Schultz-Venrath (Bergisch Gladbach), Meinhard Korte (Hanau) sowie Elisabeth Rohr (Frankfurt am Main)  gehe ich hier nicht ein. Stellvertretend für deren Gesamtwirkung sei hier eines der Zitate erwähnt: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“ (Gustav Mahler). Lobend sei auch der Brauch der D3G erwähnt, die Vorträge und Grossgruppensitzungen musikalisch interpretieren zu lassen. Hannes Zerbe hat dies mit seinen Improvisationen am Flügel sehr stimmig gemacht.

 

Die  Arbeitsgruppen setzten als Schwerpunkt auf den Umgang mit dem Fremden. Die Grossgruppe entwickelte unter der langjährigen Leitung von Robi Friedman (Haifa) eine offene und reife Kommunikation.

 

Für mich als mehrjährigen Teilnehmer wurde deutlich, dass die D3G als Nachfolgeorganisation der DAGG ihre innere Sicherheit gefunden hat, dass sie in ihrer Matrix aber auch emotionale und geschäftliche Erbschaften weiter zu tragen hat und vor Spaltungstendenzen leider nicht gefeit ist. Der gesamte Vorstand (unter dem Vorsitz von Pieter Hutz, Berlin) und die Ausschüsse haben für die heutige Form der Gesellschaft viele und teils harte Integrationsarbeit leisten müssen. Da im Sommer 2017 in Berlin das 17. Internationale Symposium der Group Analytic Society International stattfindet, wird zum Bedauern vieler Teilnehmer die D3G-Tagung in dieser gewohnten Form nicht stattfinden. Der bewährte Container für die gruppenanalytische Selbstfindung der Gesellschaft D3G wird nächstes Jahr nur in der versteckten Form der erfahrenen Matrix vorhanden sein.  Die ganze Tagung vermittelte mir eine Zuversicht, dass die D3G bereit ist für die Herausforderungen der Zukunft und die Weiterentwicklung der Gruppenanalyse.

 

Georg Hess, Zürich    15.7.2016

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