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Tagungsbericht der 3. Jahrestagung des Beirats für Wissenschaft und Forschung der D3G am Sigmund Freud Institut Frankfurt am Main vom 30. und 31.10.2015

Am 30. und 31. Oktober fand zum dritten Mal die Jahrestagung des Beirats für Wissenschaft und Forschung der D3G statt. Nach den beiden vorangegangenen Tagungen an den Universitäten Witten Herdecke 2013 und Frankfurt im vergangenen Jahr, wurde für das diesjährige Treffen das Sigmund-Freud-Institut als Tagungsort ausgewählt. Wer aus dem Süden angereist war, freute sich über einen sonnigen Herbsttag in Frankfurt.

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Der Tagungsraum im ersten Stock des neu renovierten Institutsgebäudes füllte sich zügig mit einer großen Anzahl an Teilnehmern, wobei sich neben langjährigen Weggefährten auch zahlreiche neue Gesichter und junge Kollegen eingefunden hatten.

Thomas Mies, Sprecher des Beirats, bestätigte diesen Eindruck in seiner Begrüßungsansprache indem er darauf hinwies, dass dieses dritte Treffen des Beirats auch das bislang am Besten besuchte sei. Das zeigt auch, dass der Vorstand mit dem Thema der Tagung "Zur Wirksamkeit der Gruppenpsychotherapie - Neue Forschungsergebnisse" einen Nerv getroffen hat.

Weiter führte Thomas Mies aus, wie es entgegen der Ankündigung bei der vergangenen Tagung des Beirats letztes Jahr, weiter an der Erstellung eines Wörterbuchs der Gruppenanalyse zu arbeiten, zu der Programmänderung gekommen sei. So gebe es zum einen bei dem genannten Projekt durch Schwierigkeiten bei der Etablierung eines Editorial Board Verzögerungen, zum anderen sei der Beirat auf Grund der Aktualität des diesjährigen Themas nicht an einer entsprechenden Auseinandersetzung vorbei gekommen.

Es sei in der Gesellschaft für Gruppenanalyse und Gruppentherapie zu heftigen inhaltlichen Auseinandersetzungen in Bezug auf die zukünftige Orientierung und inhaltliche Ausrichtung der Gesellschaft gekommen. Obgleich die gruppenanalytische Psychotherapie nur ein zentraler Anwendungsbereich der Gruppenanalyse sei, so Herr Mies weiter, seien allgemeine Entwicklungen auf dem Feld der empirischen Gruppentherapieforschung ausgesprochen wichtig für die D3G. Den Status quo in der Gesundheitsversorgung, in dem die Gruppentherapie lediglich ein Anhängsel der Einzeltherapie, zahlenmäßig deutlich unterrepräsentiert und der Ausbildungsstandard der Gruppentherapeuten gering sei, bezeichnete Thomas Mies als unbefriedigend. Diesbezüglich stünden in der D3G richtungweisende Entscheidungen an. Von der aktuellen Tagung des Beirats wünsche sich die Gesellschaft wissenschaftlichen Input für die aktuellen Diskussionen und anstehenden Entscheidungen. Dabei sei er selbst durch

jüngere Bewegungen in der Forschungslandschaft durchaus hoffnungsvoll, für die Interessen der Gruppenanalyse innerhalb der Verbandspolitik wertvolle Argumente zu erhalten. Dabei wurde nicht allen Teilnehmern ganz deutlich, worum es explizit in den genannten inhaltlichen Auseinandersetzungen und anstehenden Entscheidungen geht.

Rolf Haubl, als Leiter des Sigmund-Freud-Instituts auch Gastgeber der Tagung, wies in seiner Begrüßung auf die baulichen Veränderungen am Tagungsort hin. Maßgabe beim Umbau sei eine hohe Transparenz der Räume gewesen. Dies wünsche er sich auch für die Tagung, deren Ziel es sein müsse, die Sichtbarkeit des gruppenanalytischen Verfahrens zu erhöhen.

Als erster Referent des Nachtmittags wurde Bernhard Strauß begrüßt. Frau Lamott stellte in ihrer Einführung heraus, dass Herr Strauß neben seiner wissenschaftlichen Arbeit im Bereich der Bindungsforschung seit vielen Jahren international zu den wichtigsten Wissenschaftlern im Bereich der Gruppentherapieforschung gehöre.

Darüber hinaus habe er in den vergangenen Jahren zwei Lehrbücher "Keine Angst vor Gruppen" sowie "Gruppentherapie- ein Lehrbuch für die Praxis" herausgegeben. In Bereich der Gruppentherapieforschung liege einer seiner Schwerpunkte auf der Outcome- Forschung, in den vergangenen Jahren vorwiegend mit Hilfe von großen Metaanalysen. Ziel sei es, die gruppentherapeutische Praxis theoretisch und wissenschaftlich zu erforschen und gesundheitspolitische Entscheidungen zu begründen.

Bernhard Strauß dankte für die Einladung des Beirats. In der augenzwinkernden Bemerkung, dass es lange her sei dass er in diesem Kreis zu Gast gewesen war, klang auch für jüngere Teilnehmer spürbar an, dass in der Vergangenheit wohl schon manch kontroverse Diskussion geführt worden sein muss.

Sein Ziel für den Nachmittag sei es, im ersten Teil den State of the Art der Gruppentherapieforschung sowie im zweiten Teil Ergebnisse eines Metaanalyseprojekts seines Lehrstuhls in Jena vorzustellen.
Zunächst wies Strauß auf den Wandel der Bedeutung der Gruppen in den vergangenen 40 Jahren sowohl in Klinik als auch in der Öffentlichkeit hin. Horst Eberhard Richters Vorstellung, Gruppen könnten die Welt verändern, müsse, auch mit Hinweis auf die Diskussion in den Sozialwissenschaften vom Verschwinden der Gruppe, relativiert werden.

Allerdings zeichne eine 2015 erschienene repräsentative Befragung der Bevölkerung zur Haltung gegenüber Gruppen ein anderes Bild. So lasse sich empirisch zeigen, dass in der deutschen Bevölkerung die Haltungen und Erwartungen gegenüber Gruppen sowohl allgemein als auch im klinischen Bereich verhältnismäßig positiv seien.


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Allgemeine Nachrichten
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