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Nachruf

 

Yvo Kühn ist tot.

Er starb völlig überraschend am 2. August 2020 im Alter von nur 64 Jahren; die Mitglieder der D3G trauern um ihn.

Für die, die ihn in seiner Lebensfreude, in seinem Humor und mit seinem weit über die engere Fachlichkeit hinausgehenden Engagement, seinem profunden Wissen und seinem Willen, sich für die Gruppenanalyse einzusetzen, kannten und schätzten, ist sein plötzlicher Tod unfassbar.

 

Yvo Kühn war Gründungsmitglied der D3G und seine Mitgliedschaft war, von Anfang an, bis zu seinem Tode, beileibe nicht auf stille Partizipation angelegt. Wie kaum ein anderer wirkte er daran mit, und dabei ganz Gruppenanalytiker, die verschiedenen Fachgesellschaften denen er angehörte, in einen für die Gruppenanalyse fruchtbaren Dialog zu bringen - zu verbinden, zu integrieren und dennoch die nötigen Kontroversen zur Stärkung der Gruppenanalyse zu führen.

 

Als analytischer Psychologischer Psychotherapeut, als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und vor allem als analytischer Gruppenpsychotherapeut verfügte er über profunde Fachkenntnisse in der psychodynamischen Arbeit. Sie als Dozent, als Supervisor und als Gruppenlehranalytiker zu beforschen und weiterzuvermitteln war ihm ein mit großem Engagement verfolgtes Anliegen. Es war oft eine Freude mit ihm zusammen an einem Thema „dran zu bleiben“. Auch in bedeutenden Kontroversen blieb er ein bezogener und dem gemeinsamen Anliegen loyaler Gesprächspartner.

 

Bereits als Mitglied des DAGG wirkte er an dessen Gestaltung mit. Er arbeitete in unterschiedlichen Sektionen des DAGG, den Sektionen „Klinik und Praxis“ (KuP) und „Analytische Gruppenpsychotherapie“ mit, interessierte sich für sehr unterschiedliche berufspolitische und theoretische Haltungen und wirkte zwischen den Linien. So vielseitig interessiert und engagiert hat er folgerichtig auch am mehrjährigen Entwicklungsprozess der D3G als gruppenanalytischer Fachgesellschaft in fruchtbarer Weise mitgewirkt; als Mitglied der D3G, als Mitwirkender in vielfältigen Arbeitsgruppen, wie auch und vor allem als Mitglied der Weiterbildungskommission der D3G, der er bis zu seinem Tode angehörte.

 

Sein Engagement im Vorstand des BVVP und in der APH, in letzterer auch als Vorsitzender, unterstreichen sein „von Gruppe überzeugt“ sein und an der Gestaltung von Gruppenanalyse mitwirken zu wollen. Ebenso wie seine Rolle als Mitinitiator von „G-I-N – Gruppe im Norden“ einem gruppenanalytischen Verbund von Hamburg, Kiel und Bremen. Selbst den Fußball, dem er über seinen international spielenden Sohn leidenschaftlich verbunden war, hat er gruppenanalytisch untersucht.

 

Yvo Kühn hatte ein Gespür dafür, wie die Dinge miteinander verbunden werden sollten, wo es in Konflikten zu akzentuieren, zu vermitteln und integrieren galt. Und er hatte in besonderer Weise die Fähigkeit die jüngeren Mitglieder, die nachfolgenden gruppenanalytischen Generationen, die ihm immer ein besonderes und inneres Anliegen waren, für die Gruppenanalyse zu engagieren und zu begeistern.

 

Die D3G hat mit Yvo Kühn ein für sie wichtiges und sie mitprägendes Mitglied verloren.

 

Pieter Hutz